Kultur, Volks- und Erwachsenenbildung
Kultur ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Identität und war eine der ersten Gemeinschaftsbefugnisse, die die DG im Zuge ihrer Autonomieentwicklung erhalten hat. Für diesen Bereich ist der Ausschuss II zuständig. Hier wird unsere Fraktion durch Nina Reip vertreten. Unterstützend steht ihr unser Fraktionsmitarbeiter Marco Zinnen zur Seite.
Im Folgenden können Sie einerseits das neueste Dokument der PJU-PDB Fraktion zum Thema Kultur sowie Volks- und Erwachsenenbildung lesen. Andererseits finden Sie im Downloadarchiv weiter unten ältere Informationen zum Themengebiet.
Rede Musikakademie
Plenarsitzung vom 23.03.2009
Stellungnahme der PJU-PDB-Fraktion durch Nina Reip
Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrte Damen und Herren von Parlament und Regierung,
meine Vorredner/Innen haben bereits die vielen positiven Aspekte dieses Gesetzestextes hervorgehoben. Ich möchte mich allen anschließen, die die Neuerungen hervorgehoben haben, wie u.a. die Absicherung und Aufwertung des Personals der Musikakademie.
Dies im Detail zu wiederholen, davon werden wir heute absehen.
Viel mehr möchten wir den Blick weiten und Sie mit auf eine kurze Reise in die jüngere Vergangenheit nehmen, einen historischen Einblick gewinnen, den ich mir hier als jüngste der Parlamentarier erlauben will.
* Dieser Blick zurück soll verdeutlichen, welche Entwicklung die Musikakademie aber auch unsere Deutschsprachige Gemeinschaft gemacht hat.
* Der Blick zurück passt in die Zeit, da dieses Jahr ganz im Zeichen des Jubiläums „25-Jahre DG“ steht.
* Und mit diesem Blick zurück möchten wir den Schwung in die Zukunft nehmen, die hoffentlich - ich bin überzeugt - sicherlich ebenso erfolgreich sein wird. Das Dekret ebnet dafür den Weg.
Anfang der 1970er Jahre, meine Damen und Herren, wurden die Stimmen laut, die eine Musikschule für die Kinder dieser Region forderten. Ein Fragebogen an 6.000 Schülern, ausgearbeitet durch FÖDEKAM und den beiden Elternverbänden (VER und FAPEO)// der Elternvereinigung), sollte die Basis dieser Initiative sein.
Zu derselben Zeit steckte auch die Autonomie unserer Gemeinschaft in sehr bescheidenen Kinderschuhen. Als offizieller Ansprechpartner für solche Initiativen galt das sogenannte „Kulturamt“ mit dem Sonderbeauftragten des Ministers für französische Kultur Johann Weynand und dem Kulturinspektor Pauquet.
(Broschüre zum Jubiläum – praktisch als Anschauungsmaterial: Wobei ich betonen möchte: Für eine genaue Einordnung und Bewertung der Gründungsgeschichte in dieser Aufbruchzeit der DG bin ich zu jung; aber ich habe es versucht und mich in die Broschüre eingelesen sowie mit den Protagonisten gesprochen. Ich hoffe, mit meinen Darlegungen der großen Bedeutung dieser Initiative und der Weitsicht all der genannten Personen gerecht zu werden.)
Dass Generationen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen eine Musikausbildung ermöglicht wurde, ist auf einen Beschluss des Eupener Stadtrates zur Eröffnung einer Musikschule im Jahre 1971 (01.09.1971) zurückzuführen. Der überdeutliche Wunsch der Eltern und der Vereine ging in Erfüllung und ein Jahr nach der Beschlussfassung durch den Eupener Stadtrat startete die Musikakademie mit 350 Schülern und 17 Lehrpersonen.
Willy Timmermann, Paul Derwahl, der damalige Eupener Bürgermeister Reiner Pankert mitsamt des Eupener Stadtrates – sie alle waren Triebfeder des Projekts und ihnen sind größte Verdienste bei der Gründung der „Musikakademie Eupen-Bütgenbach“ zuzuschreiben. Auch sollte man Födekam-Präses Dederichs und
-Sekretär Fraipont nicht unerwähnt lassen.
Die Akademie wurde von diesen Persönlichkeiten in die Wege geleitet; Persönlichkeiten, die die Entstehungsjahre der gesamten Deutschsprachigen Gemeinschaft entscheidend geprägt haben.
Diese Parallelität zwischen der Entwicklungsgeschichte der Musikakademie im Speziellen und der Deutschsprachigen Gemeinschaft im Allgemeinen kann man durchaus bis heute weiterführen:
Nicht nur die Deutschsprachige Gemeinschaft ist in den letzten 30 Jahren gewachsen, hat ihre Arbeitsbereiche ausdehnen können.
Im Übrigen:
- so weit ausgedehnt, dass wir heute ein eigenes Parlament mit Gesetzes (Dekret-) befugnis haben und in der Lage sind per Dekret eine Regelung zu verabschieden.
- so weit, dass das Dekret von einer eigenen Regierung ausgearbeitet wurde, nach umfassendem und positivem Dialog mit allen Beteiligten: Gespräche in allen Gemeinden mit Vereinen, mit Födekam, Gemeinden, Interkommunale, dem gesamten Lehrpersonal, den Gewerkschaften
- so weit, dass wir eine Verwaltung statt eines "Kulturamtes" haben, die diesen Weg mit großem Sachwissen begleitet hat.
Auch der Musikakademie muss man unbedingt eine regelrechte Erfolgsgeschichte bescheinigen: Heute zählt die Schule 1200 Schüler mit 59 Mitarbeitern (55 Lehrer, 1 Direktor, 3 Verwaltungsangestellte), alle Gemeinden sind in einer sehr fruchtbaren Zusammenarbeit in der Interkommunalen eingebunden.
Gerade auf Grund dieses Erfolges ist es für uns umso bedeutender, dass heute (wahrscheinlich) ein Dekret verabschiedet wird, das der Akademie einen festen Rahmen bieten wird. Und in dem ein Grundsatz manifestiert wird, der unserer Fraktion schon lange am Herzen lag (u.a. haben wir in der Stellungnahme zum HH, OB 40, am 3.12.07 darauf hingewiesen): Nicht nur die Elite soll gefördert werden, sondern auch in die Breite. Beide Schwerpunkte sind von Bedeutung, je nach individueller Begabung gefördert:
- die Spitzenmusiker kommen oftmals in die DG zurück, um selbst an der Musikakademie zu lehren
- und die Musiker, die eine solide Grundausbildung genossen haben und die Basis unserer so wichtigen Kulturlandschaft mit den zahlreichen Musikvereinen bilden.
Wir sind sicher, dass das Dekret über die Musikakademie diese zweigleisige Ausrichtung untermauern wird. Es ist ein weiterer Baustein in der Erfolgsstory „Musikakademie“ und macht sie fit für viele weitere Jahre erfolgreichen Arbeitens.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!
Nina Reip
Anmerkung:
VER = Verband der Elternräte (damals in den freien und Gemeindeschulen)
Fapeo = der damalige Verband der Elternräte der staatl. Schulen (Fédération des associations des parents de l'enseignement officiel)




