Nach dem Zweiten Weltkrieg
Die Situation nach dem Zweiten Weltkrieg
Der anfängliche Jubel über die Wiedereingliederung Eupen-Malmedys durch Deutschland war der Angst und den alltäglichen Sorgen in der Kriegszeit gewichen. Schon nach kurzer Zeit wurde der Bevölkerung bewusst, dass das Versprochene nicht mit der Realität des nationalsozialistischen Regimes übereinstimmte. Enttäuschung und Resignation wurde empfunden.
So ist es auch zu erklären, dass die Befreiung der Alliierten 1945 -nach den Monaten der Ardennenoffensive mit ihren Zerstörungen und der hohen Opferzahl unter der Zivilbevölkerung- zwar erleichtert, aber doch mit Zurückhaltung und abwartend erlebt wurde. Zudem setzte unmittelbar nach der Befreiung eine heftige Säuberungswelle ein. Sie traf nicht nur die Kollaborateure und Widerständler; auch kleinere Mitläufer und teilweise Unschuldige wurden verhaftet und in die provisorisch errichteten Internierungslager gebracht. (4)
Das Problem bei diesen Maßnahmen lag hauptsächlich in ihrer Nicht-Differenzierung und in der Durchführung ohne Berücksichtigung der besonderen Umstände dieses Gebietes. Tausende ostbelgische Bürger wurden in „inciviques“ und „civiques“ eingeteilt. „Unbürgerliche“ waren diejenigen, welche, nach damaliger Definition, mangels Bürgersinn sich in den Kriegsjahren gegen Belgien gestellt hatten. (5) Diese Säuberung zog sich bis in die 50er Jahre hin und machte auch nicht vor der Entlassung von beispielsweise rund 250 Lehrern halt.
Schon früh sind Parlamentarier aus unserm Gebiet im Parlament gegen die Säuberungs-aktionen aufgetreten und für die deutsche Sprache eingetreten. Sie sind maßlos angefeindet worden.
Für die Bevölkerung Eupen-Malmedys ist im politischen Denken nach 1945 die Möglichkeit der Unterscheidung zwischen „prodeutsch“ und „probelgisch“ nicht mehr gegeben. „Prodeutsch“ wird ohne Kompromisse mit „nationalsozialistisch“ gleichgestellt. Für die Bevölkerung galt es nun zu beweisen, dass sie „gute Belgier“ sind: In einem Artikel der ostbelgischen Tageszeitung „Grenz-Echo“ wird die Bevölkerung aufgefordert: „[...] belgisch zu denken und belgisch zu fühlen, ferner zu dem belgischen Mutterlande das beste Verhältnis zu finden und mit ihm auf breiter Basis zu einer vertrauensvollen und erfolgreichen Zusammenarbeit zu gelangen.“ (6)




