Flamen und Wallonen
Nur Dank des Streites zwischen Flamen und Wallonen sind wir das geworden, was wir nun sind.
Nach dem Krieg kam der flämisch-wallonische Streit, der schon kurz nach der Gründung Belgiens in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts ausgebrochen war, wieder voll zum Zuge. Eine starke wallonische Bewegung forderte den Anschluss an Frankreich. Um der flämisch-wallonischen Auseinandersetzung Herr zu werden, wurden nacheinander, bis heute hin, sicherlich ein Dutzend, parteiübergreifende Foren ins Leben gerufen.
Den deutschsprachigen Belgiern konnte das nur zugute gekommen, denn wenn Flamen und Wallonen sich gegenseitig Konzessionen machten, mussten sie ebenfalls berücksichtigt werden.
Aus diesen Foren ist unsere Teileigenständigkeit hervorgegangen. Das erste dieser Foren, das extraparlamentarische, überparteiliche Harmel-Zentrum (1949/1954), benannt nach einem Lütticher Politiker und späteren Premierminister, wollte Modelle ausarbeiten, um die sozialen, wirtschaftlichen und sprachlichen Probleme zwischen Wallonen und Flamen zu lösen. Über das deutsche Sprachgebiet wäre dort kein Wort verloren worden, wenn sich nicht unaufgefordert hiesige Kräfte, Eifeler Priester, ein hiesiger sowie ein flämischer Parlamentarier und Universitätsprofessoren zu Wort gemeldet hätten.
Auf den darauf folgenden Foren hat sich das deutschsprachige Belgien immer wieder zu Wort gemeldet. Die bisher erlangte Gleichberechtigung in Gemeinschaftsangelegenheiten im Dreivölkerstaat ist den vielen Kräften aus der Bevölkerung zu verdanken, die sich mutig zu Wort meldeten, die Konzepte entwarfen und Forderungen aufstellten. Einige Gründungen seien in Erinnerung gerufen:
Die Zeitung „Neue Nachrichten“ im Jahre 1955,
eine Zweigstelle der AVZ in Eupen,
im belgischen Rundfunk macht sich eine mutige Mannschaft an die Arbeit,
die Vereinigung zum Schutz der Muttersprache, gegründet im Jahre 1957, Herausgeberin der Zeitschrift „Der Wegweiser“,
das St.Vither Volksbildungswerk, gegründet 1957,
der OBV, gegründet Ende der 50(er) Jahre, Vereinigung, die sich für die Bereinigung der Nachkriegsprobleme einsetzte,
die Vereinigung „Zwischen Venn und Schneifel“, gegründet am 30.9.65,
die Arbeitsgemeinschaft Ostbelgien, gegründet im Jahr 1965, die die Herausgabe der Zeitschrift „Der Wegweiser“ übernimmt,
der Hochschulbund,
der Volksgruppenrat,
Volksbildungswerke in vielen Gemeinden,
der Verband der Elternräte (Als Gegenpol wurde die Interessengemeinschaft für Zweisprachigkeit gegründet, worin alle Traditionellen vertreten waren.),
Lehrerkollegien,
Professoren für Staatsrecht mehrerer Universitäten,
die Direktion und Lehrerschaft der St.Vither Bischöflichen Schule, die im Jahre 1968 ihre sprachpädagogische Analyse hinterlegt, die die großen Schäden statistisch nachweisen konnte, die Schüler erleiden, die einem rein Französisch ausgerichteten Unterrichtswesen ausgesetzt sind,
und viele andere mehr, u.a. viele Verfasser von Leserbriefen.
Einige dieser Vereinigungen holten sich Rat und Hilfe bei international anerkannten Professoren und bei andern Minderheiten.
Die meisten der erwähnten aktiven Kräfte waren später die Mitbegründer der PDB und wurden deren Wortführer.




