Zwischenkriegszeit
Die Zwischenkriegszeit
Die PDB ist nicht aus dem Nichts entstanden. Sie wurde erst 27 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg gegründet. Die Wurzeln für das, was die PDB-Gründer bewegte, reichen weit zurück, bis auf die Angliederung unserer Gemeinden an Belgien im Jahre 1920. Eupen-Malmedy kann in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen noch nicht als ein gefestigtes Gebiet angesehen werden: Bis vor wenigen Jahren gehörte die Region noch zu Preußen, davor zu Frankreich und vor 1795 teilten sich die Reichsabtei Stavelot-Malmedy, das Kurfürstentum Trier sowie die Herzogtümer Luxemburg und Limburg das Gebiet der Ostkantone um Eupen, Malmedy und St. Vith. (1)
Bereits unter der preußischen Herrschaft war das Gebiet nicht klar gegliedert. Immer wieder sind die Grenzen der Region verschoben worden; Dörfer wurden eingegliedert oder wieder einem anderen Landkreis zugesprochen.
Erst mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages 1920 hat Eupen-Malmedy einen gleich bleibenden Rahmen erhalten. Am 10. Januar des Jahres erhielt Belgien provisorisch die Souveränität über diese Region, bis die Bevölkerung sich für oder gegen eine Zugehörigkeit zu Belgien entschieden hat. Die vom Versailler Vertrag geforderte Volksbefragung wurde durchgeführt und das Ergebnis sprach für die Annexion Eupen-Malmedys an Belgien. Dabei ist aber zu beachten, dass von etwa 34.000 Stimmberechtigten sich nur 271 in die Listen eintrugen. Die Volksbefragung, oftmals als „Farce“ dargestellt, wurde das Schlüsselereignis Ostbelgiens. Von der revisionistischen Politik als Argument für die Rückkehr nach Deutschland benutzt, wurde sie die „Achillesferse aller belgischen Integrationsbemühungen der Neubelgier in das belgische Vaterland.“ (2)
Nach den ersten Wahlen gab es zwei Gruppen von Parteien im „neubelgischen“ Gebiet:
1.) Die Parteien, die einen probelgischen Standpunkt hatten, wie beispielsweise die Katholische Partei und die Liberale Partei.
2.) Die Parteien, die einer Revisionsbewegung nahe standen, d.h. die eine Wiederholung der Volksabstimmung forderten und auf eine Rückgabe Eupen-Malmedys an Deutschland hofften. Zum Beispiel: die Sozialistische Partei und die Christliche Volkspartei (nicht zu verwechseln mit der heutigen Christlich-Sozialen-Partei, CSP), die zur führenden Partei wurde. Der Wortführer der Sozialisten, Karl Weiß, forderte eine korrekte Volksbefragung und außerdem die Anerkennung der deutschen Sprache, die Gründung einer 10. Provinz für die annektierten Gemeinden sowie einen eigenen Wahlbezirk. „Vertraut uns, gebt uns die eigene Provinz und ihr werdet aus uns schnell gute Belgier machen", so argumentierte er.
Die gesamtbelgische Arbeiterpartei unterstützte Weiß. Sie konnte sich aber weder gegen die gesamtbelgische katholische noch gegen die gesamtbelgische liberale Partei durchsetzen. Wie heute noch sollte die Bevölkerung zur besseren Kontrolle und „Belgisierung“ in den Vervierser-Lütticher Parteistrukturen eingebunden bleiben.
So weit zurück reichen die heute noch bestehenden unerfüllten Forderungen der deutschsprachigen Belgier, d.h. die Forderungen nach Provinzzuständigkeiten und einem eigenen Wahlbezirk.
Bei den Kammerwahlen am 26. Mai 1929 gaben die Wahlergebnisse der CVP Recht. Die Partei erhielt 52,1% der Stimmen; die Katholische Partei dagegen nur 19,4% (3). Wenn man die Ergebnisse der Sozialisten noch hinzuzählt, ist die Prozentzahl für die revisionistischen Parteien noch eindrucksvoller. Trotzdem ist nicht zu vergessen, dass die Wähler der Katholischen Union voll hinter der belgischen Angliederungspolitik standen.
Im Jahr 1933 ist eine zunehmende Radikalisierung der CVP zu erkennen. Ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste Einfluss auf diese Veränderung der Partei kam aus dem benachbarten Ausland.




