Gerhard Palm

Gerhard PALM
Zur Hasendelle, 14
4760 Mürringen
Mein Leben in Kurzform
Die ersten Schritte
Das Licht der Welt erblickte ich in Mürringen (Gemeinde Büllingen) im Jahre 1946; mein Vater war Schreiner und führte eine damals kleine Werkstatt, meine Mutter besorgte neben dem Haushalt einen landwirtschaftlichen Betrieb. Zusammen mit 2 älteren Brüdern und 2 jüngeren Schwestern wuchs ich auf und fand - genau wie sie und nicht immer sehr gern - viel Arbeit, aber auch viel Spaß und Erfahrung entweder in der Werkstatt, im Möbelraum oder aber auf den Feldern.
Die Zeit des Lernens
Während sich meine Eltern und meine Geschwister um die Entwicklung der Schreinerei - zu der sich auch noch der Verkauf von Möbeln gesellte – und der Landwirtschaft kümmerten, hatte ich das Glück, nach dem Besuch der Volksschule in meinem Heimatdorf „studieren zu dürfen“: an der Bischöflichen Schule in St.Vith erwarb ich 1964 das Abitur in der Abteilung „Latein-Griechisch“. Dort haben gute Lehrpersonen und der wohlbehütete Rahmen des Internats es geschafft, mein Interesse für Sprachen, Literatur, Geschichte... entscheidend zu fördern.
Danach besuchte ich die Universität in Lüttich: in der Fakultät „Philosophie et Lettres“ erhielt ich 1968 das Diplom des Lizentiaten in Klassischer Philologie sowie die Lehrbefähigung für die Oberstufe des Sekundarunterrichts. Sehr gerne denke ich an diese Studentenzeit in Lüttich zurück: ich wohnte bei meiner Tante und wurde von ihr und von meinen Kusinen richtig verwöhnt; an der Place Cockerill, wo sich auf der 4. Etage die Räume für Latein und Griechisch befanden, begegnete ich äußerst netten Kommilitonen und sehr guten - aber auch sehr anspruchsvollen - Professoren. Und schließlich gab es ja auch noch die Studentenverbindung PALUDIA: in dieser Gesellschaft lernte ich mit erfahrenen Patres und frischen „Bleus“ die sehr sympathische „cité ardente“ Lüttich und vor allem ihre noch sympathischeren Studentenkneipen sehr gründlich kennen... Auch heute noch werden in der Altherrenschaft oft Erinnerungen an die „alte Burschenherrlichkeit“ aufgefrischt...
Die Zeit des Handelns
Beruflich
Sofort fand ich eine Stelle an alter Wirkungsstätte: an der Bischöflichen Schule konnte ich fortan Latein und Griechisch unterrichten; außerdem war ich bis 1977 „Gastarbeiter“ in der Schwester-Schule „Maria-Goretti“, wo ich die jungen Mädchen (unvergessen sind die „blauen Schürzen“) in die ersten Geheimnisse der altgriechischen Sprache einweihen durfte. Auch heute noch unterrichte ich sehr gerne Latein in der Oberstufe - die politische Betätigung läßt einen vollen Stundenplan nicht mehr zu. Und die Beschäftigung mit den klassischen Autoren, mit der Kultur- und Geisteswelt der Antike als Grundlage unserer heutigen Welt, vor allem aber der Kontakt mit den jungen Menschen machen mir heute mehr denn großen Spaß!
Persönlich
Seit 1972 bin ich verheiratet mit einer Frau, die ich gerne scherzhaft und positiv als „meine oberste Aufsichtsbehörde“ bezeichne: sie ist der ruhende Pol für unsere drei Kinder und auch für mich, wenn der Termindruck und die Hektik des politischen Alltags mich immer wieder in Atem halten.
Politisch
Im Rat unserer Gemeinschaft
Und den politischen Alltag gibt es schon über 30 Jahre lang: 1971 gehörte ich zu den „jungen Wilden“, die mit älteren, erfahrenen Politikern und vielen Anhängern eines echten Föderalismus die „Partei der deutschsprachigen Belgier“ PDB gründeten. War das eine tolle Zeit, eine danach nie mehr gekannte Aufbruchstimmung mit dem Ziel, für die Deutschsprachigen einen gleichberechtigten Platz in Belgien zu sichern - in einem Belgien, das sich in den folgenden drei Jahrzehnten mehr und mehr zu einem Bundesstaat entwickelte!
Im März 1974 wurde ich zum 1. Mal in den damals gerade geschaffenen „Rat der deutschen Kulturgemeinschaft“ gewählt und, seitdem haben unsere Wähler mich immer wieder in das Parlament unserer Gemeinschaft entsandt. Und dort konnte ich die höchst spannende Entwicklung des belgischen „Bundesstaates“ und unserer Gemeinschaft hautnah miterleben - und auch zusammen mit den vielen Parteifreunden mitgestalten.
Wenn ich eines - hoffentlich fernen - Tages Bilanz ziehen werde, dann werden meine Freunde und ich zufrieden feststellen können: die politischen Entwürfe, Vorschläge und Ideen der PDB haben sich als richtig erwiesen; der beste Beweis besteht wohl in der Tatsache, dass die Konzepte der PDB zum Teil verwirklicht wurden, aber auf jeden Fall heute - wenn nicht von anderen Parteien übernommen - , so doch als fundierte Beiträge zur Ausgestaltung und zum Ausbau der Autonomie angesehen werden. Und heute sind die vielen Anfeindungen und die z.T. sehr bösen Verdächtigungen sind zwar in die Klammottenkiste verschwunden; wer sie aber unmittelbar erlebt hat, der hat es schwer, sie einfach zu vergessen. Und trotzdem: es gibt nicht den geringsten Zweifel: die Genugtuung über diese fast 30 Jahre politischer Tätigkeit überwiegt bei weitem!
In der Gemeinde
Denn es gab und gibt noch eine andere Ebene, zu der ein unausrottbarer politischer Virus mich getrieben hat: die Gemeindepolitik. 1977, im Jahr als die „Gemeindefusion“ die „Großgemeinde Büllingen“ hervorbrachte, wurde ich in den Gemeinderat gewählt und gleich zum Schöffen für das Schul- und Vereinswesen bestimmt. Bei dieser schwierigen Arbeit , als drei Altgemeinden behutsam zusammengeführt werden mussten, kam mir natürlich meine Erfahrung im Gemeinschaftsrat zugute - genau wie umgekehrt meine Tätigkeit in der Gemeinde mir die praktische Seite der Unterrichts- oder Vereinsthemen, die in den Ratsausschüssen besprochen wurden, aufzeigte.
Nach weiteren 6 Jahren als Ratsmitglied auf der Oppositionsbank wurde ich 1989 zum Bürgermeister vorgeschlagen, und seitdem bekleide ich dieses Amt, das genau wie alle Ämter der Gemeinde immer höhere Anforderungen stellt. Aber auch hier gilt: die konkreten Handlungsmöglichkeiten, der unmittelbare Kontakt mit vielen Bürger/innen und die vielfältigen Themen machen den Job als Bürgermeister höchst interessant.
NA – GIBT ES DENN DA NICHTS ANDERES ALS FAMILIE, BERUF UND POLITIK?
Dies werden Sie sich sicher fragen - und zu Recht. Doch, doch - wenn Sie mehr wissen wollen, dann klicken Sie ganz einfach auf einen der folgenden Buchstaben, dann erfahren Sie, was es sonst noch gibt:
J V F W R L
J wie Jugend:
In der Jugendarbeit habe ich mich zuerst engagiert. In einer begeisternden und begeisterten Gruppe von guten Freunden - mit der ständigen, ebenso wohlwollenden wie freundlichen Beratung unseres langjährigen Pastors Paul Kettmus - wurden alle möglichen Initiativen und Aktionen für die Kinder und Jugendlichen organisiert - oder erfunden , wie das jahrelang weit bekannte Mürringer Quiz. Die eigentliche Jugendarbeit, Jugendlager, Belebung der Kirmes mit Attraktionen für die Kleinen, aber auch Kappensitzungen oder die „Ausfahrt der Betagten“ sowie in Zusammenarbeit mit den übrigen Vereinen des Dorfes die Festlichkeiten für Goldhochzeiten oder sonstigen Jubiläen, all das sorgte für ständige Beschäftigung unserer Gruppe.
V wie Vereine :
In meinem Heimatdorf gab und gibt es sehr viele Vereine und Organisationen, die seit eh und je das Dorfleben mit ihren vielfältigen Veranstaltungen und Festen prägen. Da war es ganz einfach und normal, sich überall dort zu beteiligen, wo es was zu tun gab. Besonders mit dem Kgl. Musikverein und seinen Jubiläumsfesten war ich verbunden - aus dem einfachen Grunde, weil mein Vater lange Zeit der Präsident war und mich für die vielfältigen Schreib- und Organisationsarbeiten „freiwillig verpflichtete“. Und als aus der langjährigen Theatertradition ein richtiger „Theaterverein“ entstand, habe ich mitgemacht. Zweimal habe ich mich sogar als Akteur auf die Bühne gewagt, danach ging meine Bühnenkarriere erfolgreicher hinter den Kulissen weiter. Auch bei der Gründung und den ersten Gehversuchen der Kreativen Werkstatt war ich dabei.
F wie Fußball : 
Fußball - das war seit meiner frühesten Kindheit meine größte Leidenschaft! „Stolz wie Oskar“ war ich, als ich irgendwann von meinem Bruder „richtige“ Fußballschuhe erhielt - heute würde man sie wohl sofort zum Sondermüll bringen. Und dann, im Frühjahr 1961 war es soweit: ich durfte dem FC Rocherath beitreten und auf einem richtigen Fußballplatz bei einem richtigen Spiel mitmachen. Seitdem spielte ich in den Jugendmannschaften, etwa 15 Jahre in der 1. Mannschaft, danach ging es etwas ruhiger zu: in der Reserve und bei den Alten Herren. Und mit dieser Entwicklung verschob sich auch die Bedeutung der Spielabschnitte: natürlich waren die beiden Halbzeiten auf dem Platz immer noch wichtig, aber die dritte Halbzeit war nun gelegentlich länger und anstrengender als die beiden ersten...
W wie Weißkirch :
Der Name sagt Ihnen nichts. Klar, bis zum Jahre 1989 kannte ich ihn auch nicht. Als damals in Rumänien die Revolution den Diktator wegfegte, entstand europaweit die „Aktion Rumänische Dörfer“; unserer Gemeinde wurde ein kleiner Ort in Siebenbürgen, Weißkrich (Viscri) in der Gemeinde Bodendorf (Bunesti) zugeteilt, über den sie eine „Patenschaft“ übernahm. Sofort bildete sich ein sog. „Rumänienkomitee“ mit vielen freiwilligen Helfer/innen, die unter der Schirmherrschaft der Gemeinde seitdem zahlreiche Hilfsaktionen planten und Transporte durchführten: Hilfsgüter für die Familien, für die Schulen, für die Jugend, für die medizinische Versorgung... Mit der Hilfe der Gemeinschaft und der Gemeinde konnten wir sogar diesem Ort dank eines Telefonanlage den Kontakt zur Welt öffnen. Und durch unsere Vermittlung entstand sogar auf Initiative des Rotary Club Flémalle in der Nachbarstadt Schäßburg (Sighisoara) ein Rotary Club: nun sind die Hilfsmöglichkeiten noch größer und richten sich mehr auf die Verbesserung der medizinischen Versorgung im dortigen Krankenhaus ; denn davon haben die Menschen in der gesamten Region bedeutende Vorteile,
Vor allem aber ist im Laufe der Jahre eine sehr herzliche Freundschaft zu vielen Menschen dort – egal ob deutschsprachige Sachsen, Rumänen oder Zigeuner - entstanden. Und wir alle haben die einmalige Gastfreundschaft dieses schönen Landes schätzen gelernt.
R wie Reisen :
Reisen, Urlaub machen, fremde Länder, ihre Menschen, Sprachen und Kulturen kennen lernen - das ist heute meine liebste Beschäftigung ( wenn es die Zeit erlaubt). Dass dabei die südlichen Länder Italien und Spanien - wegen der einmaligen Kulturgüter, aber auch wegen der Sonne - meine Lieblingsziele , dass weiß jeder, der mich kennt. Und wie oben erwähnt zählt auch Rumänien mittlerweile dazu.
L wie Lesen :
Sehr viel Zeit dazu bleibt nicht, aber wenn – und besonders im Urlaub - dann verschlinge ich am liebsten historische Romane (wie die von Gisbert HAEFS) oder aber Hintergrundberichte und Analysen von geschichtlichen Entwicklungen: Peter Scholl - Latour, Timothy Garton Ash (Zeit der Freiheit). Zur Zeit mein Lieblingsbuch: „Bildung - Alles, was man wissen muss „ von D. Schwanitz.




